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Antheraea yamamai (Guérin-Ménéville, 1861) - neu für Bayern und Deutschland

LWFaktuell Nr. 55 (2006):

Ostasiatische Tierart - neu für Bayern

Japanischer Eichenseidenspinner in Niederbayern

 

von Olaf Schmidt und Ludwig Weigert

 

Der attraktive Schmetterling ist bereits im Jahr 2001 Bewohnern in der Gegend zwischen Deggendorf und Passau aufgefallen. Mit einer Flügelspannweite von ca. 15 cm ist er deutlich größer als alle unsere einheimischen Falterarten.

Forstdirektor LUDWIGWEIGERT, Bereichsleiter Forsten am Amt für Landwirtschaft und Forsten in Landau und Entomologe wurde im August 2005 von Herrn Schwenk von der Unteren Naturschutzbehörde im Landratsamt Deggendorf gebeten, anhand eines Fotos einen ungewöhnlich großen Schmetterling zu bestimmen, der sich als Japanischer Eichenseidenspinner (Antheraea yamamai) erwies. Mehrere Kontrollfahrten in Winzer, Flintsbach und Nesselbach Ende August und Anfang September 2005 ergaben sehr überraschend, dass es sich bei dem außergewöhnlich großen und hübsch gefärbten Japanischen Eichenseidenspinner um keinen Zufallsfund handelte. Insbesondere in den Nachtstunden konnten unter Straßenlaternen an südwestexponierten Laubwaldrändern zahlreiche fliegende und sitzende Falter beobachtet werden. Recherchen im Internet erbrachten, dass dieser große Schmetterling bereits im Jahr 2001 bei Iggensbach durch Herrn Schwarz nachgewiesen und 2004 von Frau Eichwald aus Nesselbach beobachtet wurde. Doch handelte es sich bis 2005 um Einzelfunde unsicherer Herkunft (Verschleppung durch Lastkähne, ausgesetzte Zuchttiere?).

 

Der auffällige ostasiatische Schmetterling wurde bereits Mitte des 19. Jahrhunderts in Mitteleuropa zur Seidengewinnung eingebürgert. Sein ursprüngliches Heimatareal liegt im Amurgebiet. Dieser schöne Schmetterling ist seit über 100 Jahren in Slowenien, Süd-Ungarn, Istrien und an der Nord-Adria verbreitet. In Österreich finden sich Vorkommen in Kärnten, in der Steiermark und im Burgenland (DESCHKA 1995). Die großen, überwiegend grüngefärbten Raupen des Eichenseidenspinners leben und fressen an Eichen, aber auch an Edelkastanien. Allerdings verursachten die großen Raupen bisher in ihrem österreichischen Sekundärareal (KREHAN/STEYRER 2006) keine forstlichen Schäden an Eichen. Solche sind auch in der neuen niederbayerischen Heimat dieses Seidenspinners nicht zu erwarten. Sein Verbreitungsgebiet 2005 wird durch die Orte Winzer, Reckenberg, Flintsbach, Nesselbach, Auerbach und Außernzell (Bodensaure Kiefernwälder) beschrieben. Das ubiquitäre Auftreten in einem viele Quadratkilometer großen Gebiet lässt schließen, dass es sich um eine Population von mehreren tausend Tieren gehandelt hat. Ein Belegexemplar stammt von den Neonfassaden der Bayerischen Milchwerke in Winzer, dessen aufgeschlossener Betriebsleiter, Herr Stephan Treichel, es mittels Gabelstapler und Personenkorb ermöglichte, dass sich Yamamai nun in der Bayerischen Zoologischen Staatssammlung befindet. 2006 wurde Yamamai fast ebenso zahlreich bei einer etwas früheren Flugzeit beobachtet, sodass wir wohl einen integrierten Neubürger Bayerns vor uns haben.

 

Literatur

DESCHKA, G. (1995): Schmetterlinge als Einwanderer. In: Einwanderer - Neue Tierarten erobern Österreich. Staphia 37, S. 77-128.

KREHAN, H./G. STEYRER (2006): Klimaänderung – Schadorganismen bedrohen unsere Wälder. BFW Praxisinformation Nr. 10, S. 15 - 17.

 

OLAF SCHMIDT leitet die LWF in Freising.

E-mail: sch@lwf.uni-muenchen.de

LUDWIG WEIGERT ist Bereichsleiter Forsten am Amt für Landwirtschaft und Forsten, Landau.

E-mail: poststelle@alf-ln.bayern.de

 

Bildunterschrift:

Abb. 1: Der Japanische Eichenseidenspinner (Antheraea yamamai) hat eine Spannweite von Flügelspitze zu Flügelspitze von ca. 15 cm. Damit ist er deutlich größer als alle bei uns einheimischen Arten. (Foto: W. Schön)

 


Arbeitsgemeinschaft Bayerischer Entomologen e.V.