Entomofaunistische Notizen
15.09.2006
Erstnachweis einer zweiten Generation des Kleinen Schillerfalters (Apatura ilia) in Bayern!
Ralf Bolz – Buchstr. 15 – D-91484 Ullstadt – HYPERLINK "mailto:rbolz@sb-institut.de" rbolz@sb-institut.de
Am 15.09.2006 wurde ein frisch geschlüpftes Männchen des Kleinen Schillerfalters (Apatura ilia) auf dem Komposthaufen des Verfassers (Südlicher Steigerwald / Nordbayern) an vergärenden Holunderbeeren saugend angetroffen. Der Falter verweilte über eine halbe Stunde an weiteren Stellen im Garten. Zwei Tage später am 17.09.2006 überflog wiederum ein frischer Falter dieser Art die Terrasse.
Für den Kleinen Schillerfalter stellt das Auftreten einer zweiten Generation in südlicheren Teilen seines Verbreitungsareals (z.B. Süd- und Westfrankreich, Südwestliche Teile Russlands und Südliche Teile der Ukraine) ein regelmäßiges alljährliches Phänomen dar. Neben einer ersten Generation im den Monaten Juni und Juli tritt dort je nach Wärmesummen eine zweite Generation im Jahr von August bis Mitte Oktober auf. Aus Deutschland waren bisher nur wenige Einzelmeldungen von Faltern einer zweiten Generation aus der Oberrheinebene, dem heißesten Naturraum Deutschlands, bekannt. Das Auftreten dieser partiellen zweiten Generation ist typisch für heiße Sommer in thermischen Übergangsgebieten (so auch bekannt aus Zentral- und Nordfrankreich).
Dieser Nachweis belegt die Auswirkungen der hohen Wärmesummen in den Sommermonaten des Jahres 2006 dar. Der Juli 2006 stellt den wärmsten und sonnenscheinreichsten Monat seit Aufzeichnung der Klimawerte in Deutschland dar. Die bisherigen Wärmesummen geben Anlass, dass möglicherweise mit dem zweitwärmsten Sommer nach 2003 seit Aufzeichnung der Klimawerte, ja sogar seit 500 Jahren in Deutschland, zu rechnen ist.
Damit setzt sich fort was in den letzten 17 Jahren bereits zu beobachten war, dass allein fünf der wärmsten meterologischen Sommer seit 1990 zu verzeichnen waren.
Für den Kleinen Schillerfalter bedeutet dies noch wesentlich mehr. Bzgl. Änderungen über die Phänologie hinaus, ist für diese Art auch eine Zunahme der Häufigkeit sowie eine Vergrößerung des besiedelten Areals in Bayern zu beobachten.
26.09.2006
Massenflug von Agrotis ipsilon (Hufnagel, 1766) in den Deutschen Alpen 2006
Hermann H. Hacker, Kilianstraße 10, 96231 Bad Staffelstein hermann-heinrich.hacker@t-online.de
Der in der gesamten Alten Welt verbreitete paläotropische Wanderfalter A. ipsilon hatte im Sommer 2006 eine Massenvermehrung im Bereich der zentralen Deutschen Alpen. Bei Kartierungsarbeiten in den Naturwaldreservaten ”Friedergries” (14.8.), ”Wettersteinwald”, 1400m (Bergmischwald) (15.8.) und ”Schrofen” (Bermischwald, 1250m) (16.8.) im Bereich des Wetterstein- und Zugspitzmassivs wurden jeweils mehrere hundert Exemplare in den Lichtfallen ausgezählt, darunter in zwei Lichtfallen im NWR ”Schrofen” 526 und 285 Exemplare. Die bodenständigen Sommerarten waren normal vertreten, teilweise wegen der warmen Monate Juni und Juli bereits am Ende ihrer Flugzeit. Der Massenflug scheint sich nur auf den alpinen Bereich beschränkt zu haben, da am darauf folgenden Tag, den 17.8., der ipsilon-Anflug im NWR ”Donauhänge” bei Kelheim mit je 3 und 5 normal war. In den Hausgärten und Anlagen von Garmisch-Patenkirchen und Mittenwald war gleichzeitig ein auffällig starker Flug von Macroglossum stellatarum (Linnaeus, 1758) zu verzeichnen: im Extremfall gleichzeitig 8 Falterbeobachtungen.
28.09.2006
Autographa jota (Linnaes, 1758) 2006 im Bayerischen Wald
Hermann H. Hacker, Kilianstraße 10, 96231 Bad Staffelstein hermann-heinrich.hacker@t-online.de
Autographa jota ist im alpinen Bereich und in den gebirgsnahen Bereichen des Alpenvorlandes weit verbreitet. In älterer Literatur wurde die Art vielfach für das außeralpine Bayern angegeben, in Verwechslung mit der ähnlichen A. pulchrina (Haworth, 1809). Keines dieser Funde erwies sich bei der Überprüfung als authentisch. 2006 wurde die Art - was zu erwarten war - erstmals auch im Bayerischen Wald authentisch nachgewiesen: Nationalpark Bayerischer Wald, Rachel-Gipfel, 1356m, 18.07.2006 (leg. J. Müller & H-P. Schreier) (det. H. Hacker; Gen.Präp. H. Hacker 15554 M).
Als besonders erwähnenswerte Art der Fichten-Hochlagenwälder des Nationalparks erwies sich die Art Xestia speciosa (Hübner, 1813); sie ist auf den Borkenkäfer-Kahlflächen wesentlich häufiger als in intakten Fichten-Hochlagenwäldern: Lusen, 1227m, 18.06.2006 (Hacker); Lusen, 1363m, 18.06.2006 (Hacker); Lackenberg, 1326m, 19.07.2006 (Hacker); Gr. Falkenstein, 1209m, 19.07.2006 (Hacker).
28.09.2006
Faunistische Ergebnisse der DIMILIN-Untersuchungen 2005 der LWF in einem Waldgebiet westlich Werneck in Unterfranken
Hermann H. Hacker, Kilianstraße 10, 96231 Bad Staffelstein hermann-heinrich.hacker@t-online.de
In einem Projekt in einem Laubwaldgebiet westlich von Werneck in Unterfranken wurden 2005 u.a. die Lebensgemeinschaften der nachtaktiven Lepidopteren mit und ohne die Einwirkungen des Häutungshemmers Diflubenzuron untersucht. Die Ergebnisse wurden im Heft 201/2006 der Forstlichen Forschungsberichte (ISSN 0174-1810; ISBN 3-933506-32-8) veröffentlicht. Erwähnt werden sollen einige interessante Funde, deren Daten dem Forschungsbericht nicht entnommen werden können:
Catephia alchymista (Denis & Schiffermüller, 1775), 28.05.2005 (in 2 von 3 Untersuchungsflächen)
Aedia funesta (Esper, 1766), 28.06.2005 (in 2 von 3 Flächen)
Hypena rostralis (Linnaeus, 1758), 28.05.2005
Noctua orbona (Hufnagel, 1766), 21.06.2005, 14.07.2005
Heliothis viriplaca (Hufnagel, 1766), 28.06.2005
Dicycla oo (Linnaeus, 1758), 21.06.2005, 14.07.2005
Der Eichenprozessionsspinner flog im Jahr 2005 bereits am 14.07. in allen Flächen zahlreich.
www.lwf.bayern.de
15.10.2006
Zwei außergewöhnliche Nachweise von Lepidopteren bei LWF-Projekten in Franken 2002 und 2004
Hermann H. Hacker, Kilianstraße 10, 96231 Bad Staffelstein hermann-heinrich.hacker@t-online.de
Buchenwald-Projekt 2004 der LWF:
Vergleichsfläche "Buchen-Wirtschaftswald" 1 km nördlich Fabrikschleichach (nördlicher Steigerwald), 05.10.2004, 1 völlig frisches Männchen von Lemonia dumi (Linnaeus, 1761) gegen 20.30 Uhr an der 250 W-Lampe, zusammen mit der zu dieser Zeit üblichen (Wald)-Herbstfauna an Geometridae und Noctuidae. Herkunft des Tieres vermutlich aus dem Maintal und seinen Hängen ca 15 bis 20 km nördlich (zum Anflugzeitpunkt Südwind).
Eichen-Mittelwaldprojekt der LWF 2002:
Mittelwald westl. Vorderpfreinach/Uffenheim, 29.07.2002, 1 Weibchen von Agrotis bigramma (Esper, 1790) (=crassa Hbn.). Begleitarten waren u.a. Thaumetopoea processionea (in ungeheurer Anzahl), Noctua interjecta, Lymantria dispar.
24.09.2006
Weiterer Fund der Noctuidae Caradrina (Platyperigea) kadenii (Freyer 1836) in Bayern!
Ralf Bolz – Buchstr. 15 – D-91484 Ullstadt – rbolz@sb-institut.de
Am 11.09.2006 wurde ein frisches Männchen der Noctuidae Caradrina kadenii in einem lichten Waldstück nördlich von Bad Windsheim (Mittelfranken/Vorderer Steigerwald) per Lichtfang gefangen.
C. kadenii ist erst seit September 2002 aus Deutschland nachgewiesen (Hacker, 2004; Fritsch in Ebert 2005). Diese ersten Nachweise stammen aus dem südlichen Oberrheingraben bei Lörrach. In den Folgejahren erfolgten weitere Nachweise in Baden-Württemberg entlang des Oberrheingrabens und des Kraichgaus sowie weiteren baden-württembergischen Naturräumen.
In Bayern wurde die Art erstmals im September 2004 am Gipfelsberg bei Deggendorf / Niederbayern nachgewiesen (Kratochwill 2005). Dieser zweite bayerische Fundort liegt über 150 Kilometer nordwestlich des bisherigen Erstnachweises im Freistaat.
Ebenfalls im Herbst 2004 wurde C. kadenii erstmals für Rheinland-Pfalz im Moseltal gefunden (Dudler 2005).
Nach diesen bisherigen Nachweisen ist neben einer weiteren Arealexpansion nach Norden vor allem eine Verdichtung von Funden innerhalb der bekannten Nachweise zu erwarten.