
Wiederfund von Pseudeustrotia candidula ([D.&S.], 1775) in Bayern
Pseudeustrotia candidula gilt in Bayern seit über 50 Jahren als verschollen bzw. ausgestorben. Die letzten Nachweise stammten von Anfang der 50er Jahren des letzten Jahrhunderts von der unteren Donau in Ostbayern (WOLFSBERGER 1953/54).
Am 23. Juli 2008 wurden zwei frische Exemplare in der bayerischen Untermainebene südlich von Aschaffenburg durch den Autor nachgewiesen. Neben dem Wiederfund nach über einem halben Jahrhundert ist auch der Ort des Nachweises im äußersten Westen Bayerns interessant, wo diese Art noch nie festgestellt wurde.
Nach extremen Arealrückgängen dieser Art im letzten Jahrhundert in weiten Bereichen Deutschlands, sind seit Anfang/Mitte der 1990er Jahre wieder vermehrt deutliche Zunahmen von Pseudeustrotia candidula in der Nordostdeutschen Tiefebene, insbesondere Brandenburg festzustellen. Darüber hinaus wurde sie nach über hundert Jahren 2004 wieder in Thüringen und Sachsen-Anhalt nachgewiesen (GELBRECHT, LEHMANN & SBIESCHNE 2005).
Im Gegensatz zu der nach Westen orientierten Ausbreitung in Ostdeutschland, dürfte die Untermainebene aus entgegen gesetzter Richtung von der Oberrheinebene besiedelt worden sein. Bisher sind hier allerdings keine starken Arealschwankungen bekannt geworden (SCHANOWSKI & HOFMANN 1997).
Dieser Wiederfund für Bayern und Erstfund für Unterfranken steht offensichtlich ebenso wie die gesamte Arealerweiterung in Deutschland mit der seit knapp 20 Jahren deutlichen Zunahme der Temperaturen in der Vegetationszeit in Zusammenhang.
Ralf Bolz
Bild: Pseudeustrotia candidula, Abb. in Schanowski, A, et al., 1997 (Die Schmetterlinge Baden-Württembergs Band 5, Hrsg. Günter Ebert)